Wie mir mein Hund gezeigt hat wie es mir wirklich geht

Hunde leben im „hier und jetzt“ und nicht wie wir Menschen in der Vergangenheit. Bei uns spielt sich unterbewusst sehr viel ab, was wir im „hier und jetzt“ noch gar nicht wahrnehmen wollen oder können. Es läuft also unterbewusst wie eine Kassette im Recorder auf repeat.

Unser Verstand unterdrückt unsere Emotionen aus Selbstschutz. All die unangenehmen Erinnerungen und die damit verbundenen Emotionen sind aber dennoch da, jeden Tag, im hier und jetzt. Manchmal etwas presenter und manchmal ganz schwach. Aber genau das nimmt das Haustier ganz deutlich war. Ich möchte euch heute erzählen wie Bliss mir zeigen wollte, dass ich innerlich etwas mit mir rumtrage, was mir zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht bewusst war.

Ein großer Schokomuffin als schwere Kost 

Das Leben kann einen manchmal vor einen Berg Herausforderungen absetzen und erst einmal alleine stehen lassen. Wir müssen dann selber schauen, wie wir damit klarkommen und den Berg bezwingen. Meistens ist das gar nicht so leicht. Ich bin beispielsweise der Typ der den Berg einfach zur Seite schiebt und wie einen großen Schokomuffin runterschluckt. Nur auf Dauer ist das leider nicht die beste Lösung. Das habe ich nun leider auch festgestellt.

Ich setze mich gerne für andere Menschen ein, bereite ihnen Freude oder will sie entlasten und vergesse mich dabei  gerne selbst. Dabei ist es genau wie bei den Rettungskräften. Wenn sie zu schnell über die Kreuzung mit dem Rettungswagen fahren und einen Unfall bauen, können sie dem verletzten Menschen auch nicht mehr helfen. Auch wenn man schnell und stark für andere da sein will ist es dennoch so, wenn man nicht selbst auf sich achtet kann man ab einen bestimmten Punkt auch nicht mehr anderen helfen. Die Geschwindigkeit und Nachlässigkeit kann einen manchmal schwerwiegend im Leben stehen.

Man kann es nicht immer auf die Hormone schieben

Bliss war immer öfter total unkonzentriert, zog wie wild an der Leine und wechselte ständig den Platz. Meine Vermutung war damals, dass sie bald wieder Läufig wird. Wie oft habe ich in meinem Instagram Post geschrieben, dass sie jetzt bald zum zweiten Mal Läufig werden müsste. Doch es kam nichts. Sie verhielt sich total unsortiert und nervös.

Egal was ich an meinem Training geändert oder versucht habe, es half nichts. Bliss war immer noch sehr durcheinander. Ich war zu dieser Zeit so sehr damit beschäftigt zu schauen, was ich für Trainingseinheiten machen muss um Bliss zu korrigieren anstatt zu schauen, was ich derzeit ausstrahle.

Wer im Glashaus sitzt…

Heute ist mir bewusst, dass ich zu diesem Zeitpunkt innerlich sehr nervös war. Ich war unglaublich lärmempfindlich, schnell gestresst, müde und abgeschlagen. Nicht Bliss war das Problem, sondern ich…

Die Gedanken waren überall und immer wieder kamen mir neue Ideen was ich unbedingt noch machen muss in meinem Leben. Was ich vielleicht irgendwann mal bereuen könnte, weil ich es nicht gemacht habe. Gedanken wie: „Bin ich gut genug für meinen Job? Brauche ich nicht doch noch eine Weiterbildung oder ein Studium um ernst genommen zu werden?“ Egal wie viel Lob man bekommt, selbst hatte man dennoch immer Zweifel.

Der Drang nach mehr Freiheit, Ruhe, Risiko und das Leben ausleben wurde immer stärker. Es tummelte sich so viel in meinen Gedanken. Ja, mir war das aufgefallen, aber ehrlich gesagt nicht wirklich bewusst. Jetzt weiß ich, dass Bliss diese innere Unruhe von mir ausgestrahlt hat. Sie spiegelte genau das wider, was ich für einen inneren Konflikt zu dieser Zeit hatte. Ich war ja immer noch der Meinung, dass Bliss Hormone verrückt spielen und sie hoffentlich bald Läufig wird. Dabei wollte sie mir nur zeigen was mit mir los ist.

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Der Tag der vieles veränderte

Von einen auf den anderen Tag war ich dann plötzlich total erkältet. Meine Schultern taten weh, wie als würde jemand von oben auf meine Schultern drücken und ich war unglaublich müde. Ich war zwei Stunden wach und konnte wieder drei Stunden schlafen.

Kurz nach diesem Tag ist Bliss tatsächlich endlich Läufig geworden. Mein erster Gedanke war dann nur: „na, endlich! Wenigstens ist das jetzt abgehackt“ aber unruhig war sie dennoch weiterhin. Bliss gestaltete manche Gassirunden wirklich anstrengend und machte mich schir wahnsinnig! Was ist denn nur mit Bliss los, fragte ich mich täglich…

Ich beschäftigte mich zu diesem Zeitpunkt mit der Tierkommunikation und fing an ein spezielles Buch darüber zu lesen „Gespräche mit Tieren“. Schließlich hat man ja viel Zeit, wenn man an die Couch mit Erkältung gefesselt ist. In diesem Buch wurden verschiedene Methoden beschrieben, die die Kommunikation zum Tier ermöglichen.

Meditation, gesunde Ernährung und innere Ruhe sei der Schlüssel zur Kommunikation mit Tieren. Ich habe das dann einfach mal ausprobiert, denn für mich wäre es das größte Geschenk einmal mit einem Tier sprechen zu können, oder zu hören, was mein Tier sagt. Ich glaube daran, dass es manche Menschen können, aber ich zweifelte schon sehr daran, dass ich das kann.

Eigentlich wollte ich die Tierkommunikation lernen, der Nebeneffekt war dann aber der Schlüssel 

Nun gut, ich versuchte mich an den Übungen der Meditation. Ruhig liegen, vielleicht zur Erdung noch die Füße auf den Boden stellen und gezielt tief ein und ausatmen… Ich sag euch, wenn man sich bewusst ruhig hinlegt und sich nur auf das atmen konzentriert, das ist nicht so einfach wie sich das anhört. Millionen von Gedanken schwirren einen dann plötzlich durch den Kopf. Und umso öfter ich diese Übungen gemacht habe wurde mir klar, dass ich innerlich extrem unsortiert, unsicher, unwohl und unkonzentriert war. Ab da an beschäftigte ich mich das erste Mal mit meinen Gedanken. So blöd sich das anhört, aber das war für mich der erste Weg zur Selbsterkenntnis. Ich habe deutlich gemerkt, wie unruhig und wie viele verschiedene Gedanken ich mit mir rumgetragen habe. Unglaublich. Und das wurde mir erst bewusst, als ich wissen wollte, was mit Bliss los ist.

Ich muss dazu sagen, dass ich mich wirklich täglich und über mehrere Wochen damit beschäftigt habe und viel reflektiert habe. Doch kurz nach dieser Phase hat sich das Verhalten von Bliss verändert. Meistens merke ich Veränderungen beim Spazieren gehen. Sie war plötzlich sehr ruhig und strahlte Selbstbewusstsein aus. Von Unruhe keine Spur mehr. Sie schaute sehr oft zu mir hoch und lief wunderbar neben mir und vor allem aufmerksam. Sie zog kaum noch an der Leine und ich konnte ganz entspannt meine Runde mit ihr drehen.

Atemübungen wurden dann zur Routine. Ich nutzte die Gelegenheit frische Luft tief einzuatmen um wieder mehr Kraft zu tanken. Ich setzte mich sogar zwischendurch mal auf eine Bank und hörte einfach nur den Blättern in den Bäumen zu. Dinge wahrnehmen, die ansonsten einfach nur an einem vorbeiziehen. Wunderbare Dinge, die vom Alltagsstress überdeckt wurden.

Das Leben besteht aus ständigem Leistungsdruck und Gefallen müssen. Im Grunde genommen lebt man doch nur um es immer anderen Recht zu machen. Doch man sollte sich nie selber vergessen! Es mag sein, dass Bliss nach der zweiten Läufigkeit einfach ruhiger geworden ist. Aber meine Erkenntnis daraus ist wieder, dass ich durch Bliss angefangen habe mich selber wieder besser kennen zu lernen. Mir selber wieder Zeit zu schenken und wieder mehr Ruhe in mein Leben zu bekommen. Ich bin so dankbar, dass ich die kleine Bliss in meinem Leben habe darf und von ihr so viel lernen darf.

Liebe Grüße
Bliss & Tine

12 thoughts on “Wie mir mein Hund gezeigt hat wie es mir wirklich geht

  1. Oh Tine, das ist wirklich ein sehr sehr schöner Beitrag und ich stimme dir in allem zu. Ich glaube ganz ganz oft, sind eigentlich wir Menschen das Problem und nicht unsere Hunde. Schön dass du wieder zu dir gefunden hast und die kleinen schönen Dinge im Leben wahrnehmen kannst. Ich finde das unheimlich wichtig und ich versuche mir immer mehr Zeit freizuschaufeln, um nur die Zeit mit Nala zu genießen draußen beim spazieren gehen, ohne groß über Dinge wie meinen Instagram Post oder sonstiges nachzudenken.

    1. Ich danke dir! Lieben dank! Habe auch ehrlich gesagt überlegt, ob ich den Beitrag wirklich veröffentlichen soll. Aber ich finde es auf der anderen Seite auch wichtig zu sagen, dass das Leben nicht nur aus schönen Bildern besteht sondern auch etwas anstrengender sein kann. Ich danke dir für den tollen Kommentar! <3

  2. Hallo ihr Beiden,
    Die Situation, die du beschrieben hast, kommt mir sehr bekannt vor und was du schreibst, spricht mir aus dem Herzen. Ich arbeite noch daran, auch einen Weg zu finden meine Probleme nicht auf meinen Hund zu übertragen, aber an manchen Tagen ist es anspruchsvoller. 😉
    Liebe Grüße und danke für diesen schönen Beitrag

    1. Liebe Caro, ich glaube sehr viele Menschen kennen diese Situation, tragen es aber nicht nach außen. Ich glaube fest an die Meditation und den Mut zu haben was verändern zu dürfen. Im Unterbewusstsein trägt man zu viel mit sich, dass irgendwann einfach raus muss. Lass dich mal auf die Meditation ein, um herauszufinden, was alles in einem schlummert. <3 Liebe Grüße Tine & Bliss

  3. Wow, das sind tolle Worte. Ich glaube auch daran,dass das Tier mehr weiss als wir selbst mitbrkommen. Und wie wunderbar sie uns zeigen können,dass wir hingucken sollen!!!! 💗💗💗schön,dass du über dieses Thema geschrieben hast

    1. Hallo Ines, ich danke dir von Herzen für diesen Kommentar! Das bestärkt mich persönlich in der Entscheidung auch mal dieses Thema in meinen Blog aufzugreifen. Herzlichen Dank <3

  4. Liebe Tine,
    du sprichst mir aus der Seele. Solche Momente hatte ich auch schon öfters, Neo war sehr unruhig wenn ich gestresst war. Es ist unglaublich wie Tiere fühlen können und uns widerspiegeln!
    Ich habe mal Entspannung (Autogenes Training) gemacht und das hilft auch sehr.
    Schön, dass du über das Thema geschrieben hast.

    Liebe Grüße Nadine

    1. Liebe Nadine, ich danke dir sehr für dein Kommentar 💕 Dieses Thema betrifft sehr viele und schön von dir zu hören, dass du deine Methode gefunden hast 💕 Liebe Grüße Tine & Bliss

    2. Schön, dass du auch deinen Weg gefunden hast, das freut mich sehr! Das schafft nicht jeder. Liebe Grüße Tine und Bliss

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